Wie Fair Trade ist Fairtrade wirklich?

 Ein Einblick in die Fairtrade-Welt aus Sicht der Produzenten

Von der Banane bis zum Filzpantoffel:

Beim Thema Fairtrade kommt mir direkt das Bild der Banane in den Kopf. Diejenigen, die die Banane anbauen und pflücken, verdienen nur einen Bruchteil des Erlöses. Fairtrade soll dieses Bild ändern, sodass die Bauern mehr verdienen.

wer verdient an der banane fairtrade

Bild: Lebensmittelpraxis, Quelle: shorturl.at/jvyVW

Jeder von uns kennt das Fairtrade Logo von Max Havelaar. Dieses dient als Zeichen, dass die Produzenten und insbesondere die Arbeiter fair entlohnt wurden, aber auch z.B. dafür, dass die Ware vom Käufer vorfinanziert wurde.

Mittlerweile findet man immer mehr "Fairtrade-Siegel" im Handel. In einem Supermarkt findet man häufig über 30 verschiedene Siegel, was die Transparenz und Glaubhaftigkeit einschränkt.

Einige Hersteller wenden zudem Tricks an. Bei einigen Produkten wird beispielsweise nicht genau erläutert, welcher Bestandteil eines Produkts fair produziert wurde. Ein weiterer Trick ist, den prozentuale Anteil der "fairen" Bestandteile zu erhöhen, indem der Wasseranteil herausgerechnet wird. Die Glaubhaftigkeit ist dadurch natürlich "fairwässert".

Ein weiteres Beispiel ist Fair Trade Kaffee: Stellen wir uns vor ein zertifizierter Fair Trade Kaffeebauer verkauft seine Kaffeebohnen zu 50% an einen Fair Trade anbieter und zu 50% an den freien Markt. Der freie Markt zahlt ihm nur für die beste Qualität einen guten Preis, wodurch er seine guten Bohnen an den normalen Käufer gibt. Den Rest gibt er dem Fair Trade Händler, der ihn sowieso nimmt. Dadurch bekommt man leider trotz des höheren Preises den qualitativ schlechteren Kaffee.

Die Aussage hier soll nicht sein, dass Fair Trade nichts bringt, jedoch sollte man auch stets die Dinge hinterfragen oder besser verstehen und sich nicht nur blind von Siegeln in der Kaufentscheidung leiten lassen. Da dies eben so gut funktioniert, verwenden die Hersteller gerne solche Siegel oder denken sich selbst eins aus.

In der Entstehungsphase meiner Hausschuhmarke WoolFit wollte ich ebenfalls unbedingt Fairtrade zertifiziert sein, da ich sowieso eine faire Bezahlung der ArbeiterInnen anstrebte. Warum also nicht direkt dafür ein Siegel holen? Der Grund, warum ich mich letztendlich dagegen entschieden habe, ist, dass so eine Zertifizierung recht teuer ist, und die ArbeiterInnen davon nichts haben.


Hier ein Bild unserer Filzerinnen in Nepal. Gerade mal zwei Paar schafft eine Filzerin pro Tag. Eine anstrengende Handarbeit, die fair bezahlt werden muss!

Zudem wird auch in Nepal viel gemogelt. Zertifizierte Fair Trade Betriebe kaufen die Filzprodukte von anderen Herstellern einfach dazu und verkaufen sie an die Fair Trade Händler.

Indem wir nach dem Prinzip Direct Trade mit den Produktionen zusammen arbeiten, kommen auch 100% des Lohns bei den ArbeiterInnen an.

Ein weiteres interessantes Beispiel findet sich bei unseren Partnern in Kirgistan, wo wir die WoolFit Classic produzieren lassen. Die Produktion dort arbeitet nach sehr hohen ökologischen und sozialen Standards, was die Produktionskosten für ein solches, handgemachtes Produkt recht hoch macht. Ein großer Fair Trade Anbieter wollte dort ebenfalls produzieren lassen, hat jedoch nur so wenig Geld pro Paar geboten, dass nicht einmal die Produktionskosten gedeckt wären.

Wir schalten via Direct Trade den Mittelsmann aus, wodurch hochwertige, handgemachte Hausschuhe erschwinglich sind, ohne dass Menschen oder die Natur dafür ausgebeutet werden. Im Bild besichtigen mein Vater und ich die Produktion in Kirgistan. Links und rechts sind die beiden Leiterinnen der Produktion, in der Mitte unsere Übersetzerin Ekaterina.

Produktionsleiterinnen Filzfabrik Kirgistan WoolFit

Fazit: Das Bewusstsein der Verbraucher darüber, wo Produkte herkommen und wie sie produziert werden, steigt derzeit stetig an. Fairtrade Siegel bieten die Chance, dem Verbraucher direkt zu zeigen, dass bei der Produktion gewisse soziale Standards eingehalten wurden. Blind vertrauen sollte man diesen Siegeln jedoch nicht. Für mehr Transparenz wäre es daher wichtig, einheitliche Standards zu haben.

Eine erweitere Form des Fairtrades ist der Direct Trade, wo sämtliche Zwischenhändler ausgeschaltet werden und das Geld direkt beim Produzenten, bzw. den ArbeiterInnen, ankommt. Wichtig ist dafür eine vertrauensvolle Beziehung zwischen allen Beteiligten.

Ich hoffe dieser kleine Einblick in die Welt des Fairtrades war interessant. Immer mehr Menschen interessieren sich für dieses Thema und legen mehr Wert auf die Herkunft von Produkten. Ich finde es steigert auch die Wertschätzung, denn wenn man selbst mal ein Paar Hausschuhe per Hand gefilzt hat, weiß man was da für eine Arbeit drinsteckt und genau so ist es mit Bananen, Kaffee, Tshirts und Co auch.

Damit fairabschiede ich mich,
Benni von WoolFit