Nachhaltigkeits-Interview mit Benni von WoolFit

Moin, ich lieg hier nur so rum und beantworte ein paar Interview Fragen. Wenn Du Dich reflektiert mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt oder Dich unsere Haltung interessiert, dann ist dieser Artikel bestimmt interessant für Dich!
Lesezeit für flotte Leser: 5 Minuten

Was bedeutet Nachhaltigkeit für WoolFit?

Nachhaltigkeit bedeutet für uns, dass wir in allen Bereichen unser Bestes geben, sodass unsere Produkte sowohl für die Umwelt, für die Menschen, die sie herstellen, als auch für unsere Kunden einen möglichst positiven Eindruck hinterlassen.

Was bedeutet für dich ein nachhaltiges Unternehmen zu führen und was macht es aus?

Für mich bedeutet es, dass man sich seiner Verantwortung gegenüber der Umwelt und den Menschen, die die Produkte herstellen, bewusst ist. Als Unternehmer:in hat man durch sein wirtschaftliches Handeln einen wesentlich größeren Einfluss auf die Umwelt als als Einzelperson.
Wir haben das Glück, dass wir Produkte herstellen, die man sehr schön auf Nachhaltigkeit optimieren kann. In anderen Branchen ist es vermutlich schwieriger, aber jede:r Unternehmer:in sollte sich fragen, wie man das eigene Unternehmen vielleicht etwas nachhaltiger gestalten kann.

Was tut dein Unternehmen aktiv für die Nachhaltigkeit?

Ich denke bei uns sind es viele Kleinigkeiten. Eben dieses ständige Optimieren der gesamten Wertschöpfungskette. Wir nutzen regionale, mulesingfreie Wolle – ein nachwachsender Rohstoff, der bei traditioneller Schafhaltung sogar wasserneutral erzeugt werden kann.

Bei der Reinigung der Wolle wird für gewöhnlich viel Wasser verschwendet. Unsere Produktion in Kirgistan fängt das Abwasser auf, reinigt es durch mechanische Filter und stellt das mit Mikronährstoffen angereicherte Wasser der angrenzenden Farm zur Verfügung. Das Leder fällt als Nebenprodukt der Fleischproduktion an und wird chemiefrei gegerbt.

In Produktion, Verpackung und Versand meiden wir Plastik und versenden unsere Schuhe im Schuhkarton, welcher gleichzeitig als Versandkarton konzipiert ist. Wir versenden zudem mit DHL GoGreen und GLS KlimaProtect, um den aufkommenden CO2 Ausstoß zu verringern. Unseren eigenen Strombedarf decken wir größtenteils mit einer Photovoltaik Anlage.

Im letzten Jahr haben wir über eine Organisation im Harz 100 Eichen gepflanzt. Bei uns im Harz sieht man recht deutlich, wie der Klimawandel in Kooperation mit dem Borkenkäfer die Wälder beeinflusst.

Aus welchen Gründen befasst sich das Unternehmen mit Nachhaltigkeit?

Das liegt daran, dass ich mich auch privat viel mit dem Thema beschäftige. Je mehr man sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzt, desto weniger kann man es einfach wegschauen oder es verdrängen. Der Klimawandel ist allgegenwärtig und eigentlich passiert viel zu wenig, insbesondere in der Wirtschaft. Wenn es ums Geld geht, wird viel zu oft weggeschaut oder ein Auge zugedrückt.
Wenn selbst Deutschland sich so schwer tut, wie sollen es dann Entwicklungsländer wie Nepal und Kirgistan schaffen. Wir Menschen haben oft nur die akuten Kosten im Kopf, die uns ein Umstieg kosten würden. Die sogenannten Opportunitätskosten, die unser Nicht-Handeln verursacht, beachten wir nicht oder verdrängen sie, obwohl sie vermutlich viel höher sein werden.

Was denkst du, muss sich in den Köpfen der Menschen verändern, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

Ich denke, dass viele Menschen nachhaltiger leben möchten. Oftmals scheitert es jedoch daran, seine Gewohnheiten zu ändern, denn diese sind tief in uns verwurzelt. Da geht es viel um Bequemlichkeit und damit meine ich nicht das wundervoll Fußgefühl unserer WoolFit Schuhe. Natürlich ist es angenehmer mit dem Auto zu fahren, statt mit dem Zug. Oder Fleisch zu essen, statt Tofuwürstchen. Und ein T-Shirt für 5 Euro zu kaufen, tut auch weniger weh als 40 Euro auszugeben. Obwohl wir vermutlich entspannter im Zug, gesünder mit Gemüse und zufriedener mit einem fairen Qualitätsprodukt wären.

Das ist auch ein Lernprozess. Ich hab früher auch Döner gefuttert, bei Amazon Schrott aus China bestellt und Strecken, die Länger als mein Auto waren, bin ich gefahren. Irgendwann hab ich mich jedoch entschieden, auch nach meinen ethischen Überzeugungen zu handeln und lebe seitdem auch viel zufriedener.

Um den Menschen das Umsetzen ihrer nachhaltigen Vorsätze zu erleichtern, bedarf es einfach konsequentere Regeln, die umweltfeindliches Verhalten verringern und Anreize, um umweltfreundliches Verhalten zu fördern. Um es einfacher zu sagen, eine Wurst sollte nicht weniger kosten als eine Bio-Zucchini und ähnlich sollte es auch bei anderen Konsumgegenständen sein.

Ganz ohne Konsum kommen wir nicht aus und man sollte sich auch nicht bei jedem Kauf schlecht fühlen. Ein achtsamerer Umgang mit dem eigenen Konsum ist jedoch auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

Warum ausgerechnet Nepal und Kirgistan? Ist das noch nachhaltig?

Am nachhaltigsten ist es selbstverständlich alles so regional wie möglich in Deutschland zu produzieren. Ich sehe die Nachhaltigkeit aber auch darin, Entwicklungsländer zu unterstützen und zu helfen, dort eine "nachhaltig bestehende" Wirtschaft aufzubauen. Nepal und Kirgistan sind beides sehr arme Länder. Im Gegensatz zu Deutschland mit seiner Autoindustrie, ist dort die Filzverarbeitung und Handwerkskunst einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. In Nepal ist jetzt zudem seit Corona noch der wichtigste (Tourismus) komplett weggebrochen.

Beide Länder haben zudem ein enormes Import>Export Gefälle. In Nepal z.B. beträgt der Anteil des Imports 90% und des Exports 10% am Warenverkehr. Dadurch fahren und fliegen volle Transportmittel ins Land und leere kehren wieder zurück, wodurch unsere Waren in gewisser Weise einen Teil des Weges "trampen".

Ich bin der festen Überzeugung, dass ein fairer Handel und eine wirtschaftliche Unterstützung für Entwicklungsländer wie Nepal und Kirgistan das Fundament für mehr Bildung und mehr Gerechtigkeit bilden. Das ist wiederum das Fundament für eine grünere Zukunft, denn die Erde hat nichts davon, wenn wir uns in Deutschland im Wohlstand das Privileg erarbeitet haben, nachhaltig leben zu können, während am anderen Ende der Welt aus Armut am Umweltschutz "gespart werden muss".

Umweltschonend vs. Qualität (Haltbarkeit, Funktionalität…) – ist das ein Gegensatz?

Letztendlich sind all unsere nachhaltigen Bemühungen für die Katz, wenn die Produkte nicht ihren Zweck erfüllen und entsprechend lange halten. Daher ist eine gute Qualität das A und O bei unseren Hausschuhen. Bei einem unserer Schuhtypen war die Filz-Latex Sohle nicht sehr haltbar und innerhalb von einem Monat bis zum Filz durchgelaufen. Die haben wir alle anstandslos zurückgenommen und erstattet.
Qualität ist für uns auch wirtschaftlich zwingend notwendig, da wir die Überzeugung haben, dass nur nachhaltig zufriedene Kunden wieder bei uns kaufen und wir daher jeden Schuh bei Unzufriedenheit zurücknehmen. Glücklicherweise haben unsere Schuhe in Sachen Haltbarkeit sogareinen Vorteil, da natürlicher Filz haltbarer als Synthetik Mischfilz ist und durch das nahtlose Filzen per Hand weniger Nähte aufreißen können.

Dies ist das Ende des Interviews, für ale eifrigen Leser oder stürmischen Scroller gibt es als Belohnung einen 5% Rabatt. Einfach Code "Interview" im Checkout eingeben.

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